Energie 4.0: Die Symbiose von Photovoltaik und Infrarot
Die Nachfrage nach Photovoltaik ist zurück. Und zwar mit Wucht.
Was sich in den letzten Wochen abspielt, erinnert an die Boomjahre 2022 und 2023: volle Auftragsbücher, steigende Preise, lange Wartelisten. Der Grund ist einfach. Die Menschen spüren am eigenen Leib, wie abhängig sie von Energiepreisen sind.
Die Lösung? PV-Anlagen! Richtiger Ansatz, aber noch nicht weit genug gedacht.
Denn wer allein über Photovoltaik spricht, greift zu kurz. Es geht heute nicht mehr um einzelne Komponenten. Es geht um ein System: PV-Strom, Speicher, Wärme und Mobilität wachsen mit einem Energiemanagementsystem zum All-Electric-Building zusammen. Und genau hier entsteht der eigentliche Mehrwert.
Photovoltaik als Zentrum des Systems ist gesetzt. Eine Technologie wird hingegen oft noch unterschätzt: die Infrarotheizung.
Warum sie insbesondere in der klugen Kombination mit Photovoltaik eine entscheidende Rolle spielt und wie in der richtigen Kombination ein deutlich effizienteres Energiesystem entsteht, zeigt unser Gespräch mit dem erfahrenen Praktiker und Geschäftsführer der adSol GmbH aus Gauting, Ingo Martin.
PV-Experten Ingo Martin im Interview
„Die Leute stehen Schlange“
Herr Martin, wir unterhalten uns Anfang April 2026, die Energiepreise sind explodiert, die Unsicherheit nimmt zu. Was passiert gerade in Ihrem Geschäft?
Ingo Martin: Ganz ehrlich: Die Leute stehen Schlange.
Eine solche Nachfrage haben wir seit den Jahren 2022/23 nicht mehr gesehen. In den letzten sechs Wochen hat sich das massiv aufgebaut. Die Menschen merken wieder, wie abhängig sie von Energiepreisen sind und wollen raus aus dieser Unsicherheit.
Interessant ist: Es sind gar nicht Strom- oder Gaspreise, die gerade explodieren, sondern vor allem Heizöl und Kraftstoffe. Aber genau das triggert das Umdenken.
Sie sind seit 30 Jahren im Markt. Wie ordnen Sie die aktuelle Situation ein?
Ich habe in den drei Jahrzehnten alles gesehen: Boom-Phasen, Krisen, Hypes. Die Jahre 2022 und 2023 waren sicher Ausnahmejahre, danach kam eine deutliche Abkühlung. Viele Anbieter sind damals in den Markt gedrängt, teilweise ohne echte Substanz. Die Preise sind gefallen, Kunden wurden vorsichtiger.
Jetzt dreht es wieder. Die Menschen kommen zurück, sind aber überrascht, dass wir nicht sofort liefern können. Unsere Kapazitäten bei adSol sind bewusst stabil geblieben. Wir haben Prozesse optimiert, aber nicht blind skaliert.
Wie lange muss man aktuell auf eine PV-Anlage warten?
Wenn heute jemand unterschreibt, sind wir im Idealfall in acht bis zehn Wochen bei ihm. Das ist schon sehr gut. Es gab Zeiten, da haben Kunden deutlich länger gewartet, einfach, weil Material gefehlt hat. Jetzt merken wir: Die Aufträge werden wieder mehr. Die Tendenz ist definitiv steigend.
Wenn sich Kunden für PV entscheiden, mit welchen Fragen kommen sie auf Sie zu?
Es sind in erster Linie drei Dinge: Unabhängigkeit, Preisstabilität und Versorgungssicherheit. Ein großes Thema ist aktuell auch Ersatzstrom. Viele verwechseln das mit Notstrom. Notstrom heißt: Du hast irgendwo im Haus eine Steckdose mit Strom. Ersatzstrom heißt: Dein ganzes Haus läuft weiter, inklusive PV-Anlage. Tagsüber produziert die Anlage weiter Strom, die Batterie lädt sich und versorgt dich auch nachts. Das ist für viele ein echter Gamechanger.
Wo der größte Nutzen schlummert
„Der größte Hebel entsteht, wenn der selbst erzeugte Strom direkt genutzt wird. Genau hier zeigt Infrarot seine Stärke im Zusammenspiel mit Photovoltaik.“
— Ingo Martin
Ingo Martin ist Gründer und Geschäftsführer der adSol GmbH mit Sitz in Gauting bei München. Seit über 20 Jahren beschäftigt er sich mit ganzheitlichen Energiesystemen und verfolgt das Ziel, unabhängige, einfach nutzbare Lösungen für Strom, Wärme und Mobilität zu entwickeln. Martin ist langjähriger Partner von 3lectrify.
Nutzen die Menschen das Potenzial ihrer Dächer eigentlich optimal?
Kurz gesagt: Nein. Historisch wurden Anlagen oft künstlich klein gehalten, z. B. bei 9,9 kWp, um bestimmte Abgaben zu vermeiden. Das Dach hätte oft deutlich mehr hergegeben. Auch heute werden Anlagen häufig zu klein geplant. Mein Ansatz ist ein anderer: Ich frage mich immer: Was würde ich auf dieses Dach bauen, wenn es mein eigenes Haus wäre?
Was bedeutet das konkret für die Planung? So viel wie möglich aufs Dach?
Ganz klar: In die Zukunft denken. Alles läuft perspektivisch über Strom. Ein Haus wird elektrisch und versorgt die Besitzer mit Strom, Wärme und Mobilität. Deshalb plane ich eine Anlage nicht für heute, sondern für die nächsten 20 bis 25 Jahre. Wenn du heute zu klein baust, wirst du es später bereuen. Nachrüsten ist teuer und aufwendig.
Es gilt also „viel hilft viel“?
In vielen Fällen: Ja. Besonders beim Speicher. Denn der größte Energiebedarf – Stichwort: Heizung – ist im Winter, genau dann, wenn PV schwächer ist. Deshalb raten wir zu einer großen PV-Anlage mit einem leistungsfähigen Speicher und einem intelligenten Energiemanagementsystem. Im Winter können die Kunden günstigen Strom zukaufen (z.B. über dynamische Tarife) und effizient nutzen.
Welche Rolle spielen neue Technologien wie bidirektionales Laden?
Eine riesige. Das Elektroauto wird zum größten Speicher im System werden. Ein Beispiel:
Ein Auto mit 77 kWh Speicher ersetzt mehrere klassische Hausspeicher. Die Technik ist da, wir bieten das auch an, jetzt geht es um den Rollout. Nicht alle Autohersteller bieten die technischen Möglichkeiten schon an, aber die Technik existiert und wird kommen.
Eine Technik, die bereits im Markt etabliert ist, ist die Infrarotheizung. Sie gilt als ideale Wärmelösung des PV-Systems. Warum passen Infrarotheizungen so gut zu PV?
Man produziert Strom auf dem Dach und muss sich überlegen, was man mit diesem Strom macht. Die Infrarotheizung ist ein System, das Strom direkt nutzt, ohne Umwege. Man hat keine Verrohrung, keine Hydraulik, keine komplexen Systeme dazwischen. Das, was ich oben erzeuge, nutze ich unten direkt für Wärme. Und das ist aus meiner Sicht ein ziemlich smarter Ansatz.
>>> Den zweiten Teil des Interviews lesen Sie unter der Box >>>
5 Takeaways - das sollten Sie im Vorfeld bedenken
- 1.Die Nachfrage ist zurück – und zwar mit Wucht Die Menschen spüren wieder, wie volatil Energiepreise sind und wollen unabhängiger werden. Das sorgt aktuell für eine Dynamik wie zuletzt 2022/23. Wer jetzt einsteigt, sollte schnell entscheiden. Die Auftragsbücher füllen sich wieder.
- 2.Wer heute zu klein baut, baut morgen wieder um Photovoltaik wird immer noch zu kurzfristig gedacht. Dabei geht es längst nicht mehr nur um den aktuellen Stromverbrauch, sondern um die nächsten 20 Jahre, inklusive E-Auto, elektrischer Wärme und wachsendem Bedarf. Die richtige Dimensionierung ist entscheidend.
- 3.PV funktioniert auch im System wirklich gut Der eigentliche Mehrwert entsteht im Zusammenspiel: PV-Anlage, Speicher, intelligente Steuerung und die richtige Heizung. Erst wenn alles zusammengedacht wird, wird aus Strom echte Effizienz und Unabhängigkeit.
- 4.Infrarot wird zum strategischen Baustein im Energiesystem Gerade in Kombination mit PV spielt Infrarot seine Stärken aus: Es nutzt Strom direkt, ist einfach zu installieren und flexibel einsetzbar. Ob als Ergänzung im Bestand oder als Lösung im Neubau: Infrarot ermöglicht es, Energie genau dann und dort zu nutzen, wo sie gebraucht wird. Das macht es zu einem wichtigen Bestandteil moderner, elektrischer Gebäudekonzepte.
- 5.Die Zukunft ist elektrisch und integrierter als viele denken Strom, Wärme und Mobilität wachsen zusammen. Wer heute noch in einzelnen Gewerken denkt, verpasst das große Bild. Die entscheidende Frage ist nicht mehr „Welche Heizung?“, sondern: Wie sieht mein Energiesystem aus?
Wo liegt der größte Vorteil gegenüber klassischen Heizsystemen?
Der größte Unterschied ist die Art und Weise, wie geheizt wird. Klassische Systeme denken in ganzen Gebäuden. Da wird das komplette System hochgefahren, egal ob man die Wärme gerade überall braucht oder nicht. Infrarot funktioniert anders. Man heizt genau da, wo man es braucht, und auch nur dann, wenn man es braucht. In Kombination mit Photovoltaik wird es dann richtig spannend, weil man Zeiten hat, wo Strom da ist. Entweder direkt von der Anlage oder aus dem Speicher. Und genau dann kann man ihn sinnvoll einsetzen. Das ist viel näher an dem, wie wir Energie eigentlich nutzen sollten.
Für welche Gebäude eignet sich die Kombination?
Wenn ich einen klassischen Altbau habe, schlecht gedämmt, vielleicht aus den Sechzigern, dann bringt es nichts, einfach irgendein neues Heizsystem reinzustellen. Dann muss ich erst mal an die Substanz ran: Dach, Fenster, eventuell auch Dämmung. Wenn ich das gemacht habe, kann ich anfangen, über Systeme nachzudenken. Und da ist Infrarot oft eine gute Ergänzung für einzelne Bereiche, wo ich schnell Wärme brauche. Das Bad ist so ein Klassiker, oder Räume, die nicht dauerhaft genutzt werden.
Wenn ich ein bestehendes Haus habe, wo die Heizung noch funktioniert, dann ist Infrarot eine sehr gute Ergänzung. Man kann damit gezielt unterstützen, Spitzen abfangen oder einzelne Räume effizient beheizen, ohne das ganze System umzubauen.
Im Neubau oder bei gut gedämmten Häusern wird es dann richtig interessant. Da hat man ohnehin einen viel geringeren Wärmebedarf. Da stellt sich die Frage, ob man überhaupt noch ein klassisches Heizsystem braucht oder nicht einfach sagt: Ich mache eine große PV-Anlage, einen ordentlichen Speicher und arbeite mit Infrarot. Das ist deutlich einfacher, weniger Technik und funktioniert in der Kombination sehr gut.
Welche Rolle spielen Speicher und Energiemanagement in diesem System?
Eine große, weil die PV-Anlage im Winter nicht ausreicht. Das ist kein Geheimnis. Und da kommen Speicher und intelligente Steuerung ins Spiel. Man kann Energie zwischenspeichern, mit dynamischen Stromtarifen arbeiten, also Strom einkaufen, wenn er günstig ist, und den dann nutzen, wenn man ihn braucht. Und das System entscheidet im Idealfall selbst, was gerade sinnvoll ist. Wann lade ich die Batterie, wann gehe ich in den Verbrauch, wann heize ich. Das ist eigentlich der große Unterschied zu früher. Man hat nicht mehr eine Anlage, sondern ein System, das miteinander arbeitet.
Was ist der häufigste Denkfehler beim Thema PV und Heizen?
Der größte Denkfehler ist, dass viele noch in den alten Kategorien denken. Die sagen: Das ist meine Heizung, das ist mein Strom, das ist mein Auto. Aber so funktioniert das in Zukunft nicht mehr. Du musst das als Gesamtsystem sehen. Alles hängt zusammen. Und wenn ich das einmal verstanden habe, dann macht Infrarot total Sinn. Und genau da geht die Reise hin.
Und was ist der größte Denkfehler beim Thema Energie?
Dass Menschen sich nicht ausreichend mit Fakten beschäftigen. Viele folgen alten Narrativen oder vereinfachten Geschichten. Dabei sind die Fakten klar: Erneuerbare sind die günstigste Energieform. Elektromobilität ist gesetzt. Elektrische Heizungen sind heute bereits Standard.
Das Problem ist weniger die fehlende Information, sondern die Bereitschaft, sich wirklich damit auseinanderzusetzen.
Haben auch Sie Fragen zum Thema Infrarotheizung und PV? Suchen Sie einen kompetenten Partner bei der Auslegung Ihrer Immobilie? Dann kommen Sie auf uns zu. Wir beraten Sie gerne und unverbindlich.
